nach Elisabeth Dicke

Die Begründerin der BGM war Frau Elisabeth Dicke (1884 – 1952), eine Physiotherapeutin, die durch Experimentieren mit Fingerstrichen ihre schwere Erkrankung (Durchblutungsstö­rungen im rechten Bein, sowie Schmerzen im Kreuzbein- und Beckenbereich) erfolgreich behandeln konnte: Frau Dicke entdeckte in den betroffenen Gebieten abweichende Spannungsver­hältnisse der Haut und begann, diese Spannungen trotz Überempfindlichkeit durch streichende und ziehende Bewegungen der Fin­ger auszugleichen. Dabei konnte sie verblüffende Erfolge erzielen:

die Kreuz- und Rückenschmerzen verschwanden

an die gleiche Stelle trat eine starke, anhaltende Wärmeempfindung

die Durchblutung des erkrankten Beines verbesserte sich so weit, dass die dro­hende Amputation abgewendet werden konnte

Die Methode wurde ein Jahr lang klinisch an der Kran­ken­gymnastikschule in Freiburg getestet und ihre Wirksamkeit bestätigt.

Was ist Bindegewebsmassage (BGM)?

Die BGM ist eine spezielle Form der Reflexzonenmassage, die sich einer beson­deren Technik bedient: es wird das subcutane Bindegewebe[1] gereizt, um verän­derte Spannungszustände auszugleichen und Verklebungen zu lösen.

Bei den Reflexzonentherapien Bindegewebs- und Segmentmassage geht man von der Erkenntnis aus, dass Störungen/Erkrankungen von inneren Organen sich an bestimmten, den Organen zugeordneten Stellen der Körperoberfläche (also der Haut) äußern und dass umgekehrt die Behandlung dieser Körperstellen einen positiven Einfluss auf die entsprechenden Organe hat

Bei der Reizung des subcutanen Bindegewebes kommt es

  • direkt zu einer Beeinflussung des vegetativen Nervensystems durch vegeta­tive Reflexe
  • indirekt zu einer Beeinflussung von Organen und ihren Funktionen   
  • durch den lokalen Spannungsausgleich können auch Störungen des Bewe­gungsapparates gemildert werden

Wie wird die BGM durchgeführt?

  • Vor Beginn der Behandlung wird eine Befunderhebung durchgeführt,dann überprüft die behandelnde Person den Spannungszustand von Haut und Muskulatur des Rückens mit speziellen Griffen und schaut sich auch Be­schaffenheit der Haut, sowie allfällige Achsenabweichungen der Wirbel­säule an
  • die Behandlung selbst kann je nach Beschwerdebild am ganzen Körper er­folgen
  • die manuelle Befunderhebung und die Grundbehandlung werden am Be­ginn jeder Sitzung durchgeführt; dabei sitzt die zu behandelnde Person auf der Massagebank vor der Behandlerin/dem Behandler.
  • Die Therapeutin/der Therapeut zieht mit dem 3. und 4. Finger über die Haut der Patientin (Kundin)/des Patienten (Kunden). Dabei empfindet die behan­delte Person ein „schneidendes“ Gefühl, das durchaus angenehm ist. Je an­gespannter die Muskulatur, desto intensiver ist das „Schneidegefühl“.
  • die Sitzungsdauer steigert sich jeweils nach ca. 3 Sitzungen; die Therapeu­tin/der Therapeut beginnt also nicht an der Stelle, die Beschwerden macht, sondern arbeitet sich langsam bis zum Problem heran – das ist wichtig, da­mit die Patientin (Kundin)/der Patient (Kunde) nicht überfor­dert wird!
  • Die Behandlung lässt sich auch sehr gut mit der Klassischen Massage kombinieren

Wirkung der BGM

allgemeine Wirkung:

  • Wirkung über das vegetative Nervensystem auf funktionelle Erkrankun­gen[2] inne­rer Organe
  • Stoffwechselanregung: Hautrötung, Verbesserung des venösen Rück­flusses und des arteriellen Zustromes, vermehrter Harn- und Stuhldrang
  • Veränderungen des allgemeinen Befindens: z.B. bessere Konzentration, besserer Schlaf
  • lokale Wirkung:
  • Spannungsveränderung von Haut und Muskeln im Sinne einer Ent-Span­nung
  • reflektorische Beeinflussung innerer Organe

Anzeigen – Indikationen:

  • Chronische Erkrankungen des Bewegungsapparates
  • Arthrosen = (schmerzhafte) Abnützungserscheinungen an den Gelenken
  • Epicondylitis = „Tennisellbogen“
  • Polyarthrits = Rheuma
  • Bewegungseinschränkungen der Wirbelsäule (Schulter-Nackenschmer­zen,  Kreuzschmerzen, …)
  • Neurologische Erkrankungen:
  • Kopfschmerzen, Migräne
  • vom Gehirn ausgehende Lähmungen
  • Querschnittslähmung
  • Erkrankungen innerer Organe:
  • Leber und Galle
  • Magen und Darmtrakt
  • Lunge und Bronchien
  • Menstruationsbeschwerden und -störungen, Wechselbeschwerden
  • allgemeines Unwohlsein

Gegenanzeigen – Kontraindikationen:

  • alle entzündlichen Prozesse im ganzen Organismus
  • Infektionskrankheiten im akuten Schub (z.B. Leberentzündung)
  • TBC = Tuberkulose
  • fieberhafte Erkrankungen
  • nach Impfungen
  • akute Hautkrankheiten, Pilze
  • frische Verletzungen
  • Krebs
  • Psychosen
  • Organtransplantationen
  • relative Einschränkungen:
  • Herzerkrankungen: vor kurzem überstandener Herzinfarkt
  • Schwangerschaft: bis 3. und 7. – 9. Monat
  • Einnahme von Medikamenten zur Blutverdünnung (Marcoumar, Thrombo-Ass u.ä.)

Behandlungsdauer:

je nach Sitzung 30 – 45 Minuten; Behandlungsdauer steigt nach je 3 Sitzungen

 

[1] subcutanes Bindegewebe = Unterhautbindegewebe

[2] funktionelle Erkrankungen: Missempfindungen/Störungen bei fehlendem organischen Befund