Definition und Geschichte

Schröpfen ist die älteste Heilmethode der Welt: es wird seit ca. 5000 – 3000 v. Chr. als er­folg­reiches Naturheilverfahren angewandt. Während sich die Erklärungen der Wirkungs­weise im Laufe der Jahrhunderte immer wieder geändert hatten, ist die Methode des Schröpfens im­mer gleich geblieben.

Aus TCM-Sicht ist Schröpfen eine Maßnahme, die für das Außen gedacht ist; indirekt werden damit aber auch die inneren Organe mitbehandelt. Die Wirkung ist vergleichbar mit jener von Reflexzonenbehandlungen wie Bindegewebsmassage oder Segmentmassage.

Durchführung der Schröpfkopfbehandlung

Das Schröpfen kann in unterschiedlicher Weise angewandt werden:

trockenes Schröpfen:

Das Prinzip der Behandlung beruht darauf, dass in einem Schröpfglas Unterdruck erzeugt wird, bevor dieses auf die Haut aufgesetzt wird. Die Schröpfköpfe bleiben ca. 5 - 10 Minuten lang auf der Haut. Sie werden entfernt, wenn sich rote bzw. bläuliche Male (beim Feuerschröpfen) gebildet haben. Durch den Unterdruck im Schröpfglas wird die Haut angehoben; es erfolgt ein Zug auf das darunter liegende Bindegewebe, der sich bis zum Knochen fort­setzt. Durch die Sogwirkung werden Mikroverletzungen ge­setzt, die sich als mehrere Tage hindurch sichtbare blaue Flecken zeigen können. Dadurch ordnen sich die kollagenen Fasern neu, was bei wiederholter Behandlung zu einer Lösung von Verklebungen und Myogelosen führt.

Die Intensität der Behandlung hängt von der Art ab, wie ich den Unterdruck im Schröpfglas erzeuge:

  • Durch Verwendung von Systemen mit Gummiball oder Vakuumpumpe wird nur eine milde Rötung der Haut und eine leichte bis mittlere Wirkung erzielt. Diese Methode ist recht sanft und dient der Ausleitung von Pathogenen (krank machenden Faktoren). Ich verwende die Schröpfköpfe mit Gummiball gern bei Personen, die sich zum ersten Mal einer Schröpfbehandlung unterziehen, keine lang sichtbaren Spuren wollen oder bei sehr empfindlichen Personen.
  • Mittels Feuerschröpfen (Erwärmung der Luft im Schröpfglas durch in Spiritus getränkte und angezündete Watte) sind je nach Dauer sowohl milde, mittlere, als auch starke Reize möglich - die (erwünschten) Erscheinungen auf der Haut reichen von leichter, rasch abblassender Rötung bis tiefblau-violette Flecken, die mehrere Tage sichtbar sind.

Wasserschröpfen:

ist eine Sonderform des Feuerschröpfens, bei der das Schröpfglas zuerst etwa bis zur Hälfte mit kaltem Wasser gefüllt wird. Danach wird die Luft im Glas erwärmt und der Schröpfkopf an der Haut aufgesetzt, bis sich eine deutliche Rötung des Areals zeigt. Hat eine etwas kühlende, angenehme Wirkung

Schröpfkopfmassage:

Auf die Haut wird etwas Massageöl aufgetragen und danach der Schröpfkopf wie beim Feuerschröpfen angesaugt. Im Gegensatz zum herkömmlichen Schröpfen verwendet man nur ein Glas, das man im zu behandelnden Gebiet hin und herbewegt und nach Erwärmung austauscht. Diese Methode hat eine stark durchblutungsfördernde Wirkung und kann (bei sehr verklebtem Gewebe) durchaus auch schmerzhaft sein; auch hier hält die deutliche Rötung mitunter mehrere Tage an. Für eine mildere Schröpfkopfmassage und zum Einstieg verwende ich Schröpfgläser mit Gummiball

blutiges Schröpfen:

Die Luft im Schröpfglas wird wie beim Feuerschröpfen durch ein in Spiritus getauchtes und angezündetes Wattebällchen erwärmt. Zuvor wird die Haut in dem zu schröpfenden Areal mit einer Lanzette angeritzt, danach das Glas aufgesetzt. Allmählich tritt Blut aus der kleinen Wunde ins Schröpfglas.

Diese Methode ist sehr hilfreich bei allen Füllezuständen (z.B. auch Bluthochdruck), ist in Österreich aber ausschließlich Ärzten vorbehalten und darf daher von Masseuren nicht angewendet werden!

Wirkung der Schröpfbehandlung:

Durch das Schröpfen wird nicht nur die Durchblutung des behandelten Gebietes angeregt, sondern auch das Bindegewebe stark bearbeitet und somit eine Neuordnung der kollagenen Strukturen provoziert. Es wirkt auch sehr gut in Kombination mit Mobilisation.

Das Schröpfen wird vorwiegend, aber nicht nur am Rücken angewandt: es wirkt sowohl lokal, als auch durch die am behandelten Gebiet befindlichen Reflexzonen auf die damit verbundenen inneren Organe. So greift diese Behandlungsform unmittelbar in die Selbstregulierung des Körpers ein und unterstützt ihn bei Vorbeugung und Kampf gegen Krankheiten.

Wichtig ist, nach der Behandlung ausreichend zu trinken, um die Ausleitungsprozesse zu unterstützen!

Einige Indikationen für das trockene Schröpfen:

  • Verspannungen, Myogelosen besonders am Rücken
  • Gelenksbeschwerden; besonders geeignet bei Hüftproblemen
  • funktionelle Störungen aller Art, die bei einer medizinischen Untersuchung (noch) keinen Befund ergeben
  • Blasen- und Nierenbeschwerden
  • Energielosigkeit, Leerezustände
  • Stärkung des Immunsystems
  • Verdauungsprobleme (Magenschmerzen, Verstopfung und Durchfall)
  • Cellulite
  • unterstützt eine Gewichtsabnahme durch Ausleitung von Schlackenstoffen

Kontraindikationen:

  • erhabene Muttermale
  • Krampfadern, Besenreiser, Feuermale
  • unterer Rücken und Bauch im Falle einer Schwangerschaft
  • entzündliche Hautkrankheiten wie Neurodermitis oder Schuppenflechte
  • allgemeines Krankheitsgefühl
  • bösartige Tumorerkrankungen